Krankenversicherung
PKV im Referendariat: Die Beihilfe zahlt die Hälfte, ein Anwärtertarif den Rest
Kurz gesagt: Als Referendar bist du Beamter auf Widerruf. Dein Dienstherr erstattet über die Beihilfe in allen 16 Ländern 50 Prozent deiner Krankheitskosten. Den Rest sicherst du mit einer privaten Krankenversicherung ab, meist mit einem günstigen Anwärtertarif. Der Schutz muss am ersten Tag gelten. Beantrage ihn deshalb sechs bis acht Wochen vor dem Start.
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Wie Beihilfe und PKV zusammen 100 Prozent ergeben
Die Beihilfe ist keine Versicherung, sondern ein Teil der Fürsorge deines Dienstherrn. Sie erstattet einen festen Prozentsatz deiner Rechnungen, den Bemessungssatz. Für dich als Beamter auf Widerruf sind das in allen Ländern 50 Prozent. Die andere Hälfte versicherst du privat, mit einem sogenannten Restkostentarif. Beide Teile passen genau aufeinander: Zahlt die Beihilfe 50 Prozent, deckt der Tarif die übrigen 50.
Für Angehörige gelten höhere Sätze. Ehe- oder Lebenspartner bekommen meist 70 Prozent, Kinder 80 Prozent. Ein Kind braucht also nur einen Tarif für 20 Prozent der Kosten. In einigen Ländern steigt auch dein eigener Satz: ab zwei Kindern meist auf 70 Prozent, in Sachsen schon ab dem ersten Kind auf 70 und ab zwei Kindern auf 90 Prozent. Ändert sich dein Satz, musst du den Tarif anpassen. Die Beihilfestelle verlangt dafür einen Nachweis deiner Versicherungsquote.
Die Bemessungssätze aller 16 Länder mit Quelle
Was ein Anwärtertarif ist und warum er günstiger ist
Viele private Versicherer bieten für die Zeit des Vorbereitungsdienstes eigene Tarife an. Sie heißen Anwärter- oder Ausbildungstarife. Sie sind günstiger als der spätere reguläre Beihilfetarif, weil sie für eine kurze Zeit kalkuliert sind. Mit der Ernennung auf Probe stellt der Versicherer auf den regulären Tarif um.
Der wichtigste Punkt beim Abschluss: Die Umstellung muss ohne neue Gesundheitsprüfung geschehen. Sonst kann eine Erkrankung während des Referendariats später teuer werden. Lass dir das schriftlich bestätigen, bevor du unterschreibst.
Stell den Antrag früh: Dann zählt dein Gesundheitszustand von heute, nicht der vom ersten Ref-Tag
Bei den Gesundheitsfragen im Antrag zählt der Tag, an dem du den Antrag abgibst (§ 19 VVG). Was danach dazukommt, musst du nur angeben, wenn der Versicherer vor der Annahme noch einmal fragt. Stellst du den Antrag, sobald die Zusage für das Referendariat da ist, und legst den Beginn auf deinen ersten Tag, nimmst du eine Erkrankung aus den Wochen bis zum Start nicht mit in die Prüfung. Das nimmt ein großes Stück Risiko heraus.
Spätestens sechs bis acht Wochen vor dem Start sollte dein Antrag beim Versicherer liegen. Mit der Ernennung zum Beamten auf Widerruf am ersten Tag endet deine bisherige Versicherung über die Eltern oder die studentische Versicherung. Ab diesem Tag musst du anders versichert sein. Der Versicherer prüft deinen Antrag, oft mit Rückfragen zu Behandlungen der letzten Jahre. Das dauert Wochen, nicht Tage.
Beantworte die Gesundheitsfragen vollständig und ehrlich. Verschweigst du etwas, kann der Versicherer später vom Vertrag zurücktreten. Bist du unsicher, wie eine frühere Behandlung bewertet wird, hilft eine anonyme Risikovoranfrage: Ein Makler fragt bei mehreren Versicherern an, ohne deinen Namen zu nennen, und du siehst vorher, wer dich zu welchen Bedingungen nimmt.
Wann genau dein Antrag fällig ist, rechnet der Ref-Check mit dem Starttermin deines Landes aus.
Fahrplan erstellenZwei Lücken, die die Beihilfe im Ref oft lässt: Zahnersatz und Krankenhaus-Komfort
Zahnersatz. Für Beamte auf Widerruf schließen viele Länder Zahnersatz, Kronen, Inlays und Implantate von der Beihilfe aus. Ausnahmen gelten nach einem Unfall im Dienst oder wenn du vorher drei Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet hast. Amtlich belegt ist das zum Beispiel für Niedersachsen, Hamburg, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Prüfe, ob dein Tarif diese Zeit trotzdem abdeckt.
Chefarzt und Zweibettzimmer. Hier unterscheiden sich die Länder stark. Bayern und Thüringen zahlen mit einem Abzug je Krankenhaustag. Baden-Württemberg zahlt nur gegen einen Beitrag von 22 Euro im Monat, und die Erklärung dazu muss binnen fünf Monaten nach der Einstellung vorliegen. Niedersachsen, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zahlen gar nicht. Wer diese Leistungen will, versichert sie im Tarif mit.
Beitragsrückerstattung: Wer ein Jahr keine Rechnung einreicht, bekommt oft Geld zurück
Viele private Tarife zahlen einen Teil der Beiträge zurück, wenn du ein Kalenderjahr lang keine Rechnung bei ihnen einreichst. Gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen schaden der Rückerstattung meistens nicht. Kleine Rechnungen kannst du deshalb sammeln und am Jahresende entscheiden, ob du sie einreichst. Wie viel zurückkommt, steht in deinem Tarif. Die Frist für die Beihilfe läuft dabei weiter.
Die Pflegeversicherung gehört automatisch dazu
Wer privat krankenversichert ist, muss auch eine private Pflegepflichtversicherung abschließen (§ 23 SGB XI). Auch hier trägt die Beihilfe einen Teil, der Tarif ist entsprechend angepasst. Der Versicherer bietet sie mit der Krankenversicherung an.
Sechs Fragen, bevor du unterschreibst
- Stellt der Versicherer nach dem Ref ohne neue Gesundheitsprüfung auf den regulären Tarif um?
- Deckt der Tarif Zahnersatz im Vorbereitungsdienst, wenn die Beihilfe ihn ausschließt?
- Was zahlt der Tarif bei Psychotherapie, und wie viele Sitzungen?
- Gibt es eine Selbstbeteiligung, und wie hoch ist sie?
- Wie passt sich der Tarif an, wenn du das Bundesland wechselst und sich dein Beihilfesatz ändert?
- Sind Chefarzt und Zweibettzimmer dabei, wenn deine Beihilfe sie nicht zahlt?
Welche Tarife diese Fragen gut beantworten, ist eine Produktfrage. Die klärt der Makler im Gespräch, nicht diese Seite.
Häufige Fragen zur PKV im Referendariat
Wie viel kostet die PKV im Referendariat?
Das hängt vom Versicherer, vom Alter beim Eintritt und vom Bundesland ab. Weil die Beihilfe die Hälfte trägt, versicherst du nur den Rest. Anwärtertarife sind für die Zeit des Vorbereitungsdienstes kalkuliert und deshalb günstiger als der spätere reguläre Tarif. Einen verlässlichen Betrag nennt dir nur ein Angebot für deine Lage.
Wann muss ich die PKV im Referendariat beantragen?
So früh wie möglich, sobald die Zusage da ist, mit Beginn am ersten Tag. Bei den Gesundheitsfragen zählt der Tag des Antrags, spätere Erkrankungen musst du nur angeben, wenn der Versicherer vor der Annahme noch einmal fragt. Spätestens sechs bis acht Wochen vor dem Start, denn mit der Ernennung endet die Familien- oder studentische Versicherung.
Was passiert mit dem Anwärtertarif nach dem Referendariat?
Mit der Ernennung auf Probe stellt der Versicherer auf den regulären Beihilfetarif um. Wichtig ist, dass das ohne neue Gesundheitsprüfung geschieht. Lass dir das beim Abschluss schriftlich bestätigen.
Zahlt die Beihilfe im Referendariat Zahnersatz?
In vielen Ländern nicht. Für Beamte auf Widerruf sind Zahnersatz, Kronen, Inlays und Implantate meist ausgeschlossen, außer nach einem Unfall im Dienst oder wenn du vorher drei Jahre im öffentlichen Dienst warst. Prüfe, ob dein Tarif diese Zeit abdeckt.
Komme ich mit Vorerkrankungen in die PKV?
Ja, über die Öffnungsaktion der privaten Versicherer: keine Ablehnung, keine Leistungsausschlüsse, Zuschlag höchstens 30 Prozent. Der Antrag muss in den ersten sechs Monaten nach der Verbeamtung gestellt werden. Seit 2019 gilt das auch für Beamte auf Widerruf.
Quellen
- Beihilfe nach Bundesland mit amtlichen Quellen je Land
- Art. 96 BayBG: Bemessungssätze und Wahlleistungen in Bayern
- LBV NRW: Merkblatt Beihilfeanspruch, Stand 01/2026
- LSF Sachsen: Bemessungssätze seit 1. Januar 2024
- PKV-Verband: Öffnungsaktion für Beamte
- § 23 SGB XI: Pflegepflicht für privat Versicherte
- § 19 VVG: Anzeigepflicht bei den Gesundheitsfragen
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